Projekt im Semesterpraktikum
bei Holzfragen.de

Mitarbeit: Stud.Ing. Christian Böhning, FH Eberswalde


homeHolzfragen Links zum Thema Holzschutz
Häufig auf dem Spielplatzpilze anzutreffen - die Blättlingspilze
Katrin Bartel gepr. Sachverständige für Holzschutz, EIPOS;
gepr. Sachkundige für Holzschutz am Bau und "Qualifizierte Spielplatzprüferin" nach DIN SPEC 79161
Auswahl der richtigen Holzart entsprechend des Einsatzbereiches
Spielplatzkontrolle als Dienstleistung

Spielplatz - Spielgeräte aus Holz

- der Holzschutz an Spielgeräten
- versteckte Pilzschäden im Holz



Regelungen der DIN EN 1176-1
Wartung der Spielgeräte
Gerätekennzeichnung von Spielplatzgeräten
Wartung und Kontrolle der Spielgeräte
Hinweise und Normen

Der direkte Kontakt von Holz und Kinderhänden ist auf Spielplätzen etwas ganz Alltägliches, aber daraus entstehende Gefahren sind nicht sofort ersichtlich.

Da Kinder direkten Kontakt zum Holz haben und oft Sachen in den Mund stecken, sollte man bei der Wahl der Hölzer, deren Verarbeitung und insbesondere der verwendeten Holzschutzmittel besondere Vorsicht walten lassen. Viel besser ist es, Holz konstruktiv zu schützen und auf Gifte zu verzichten.

Wo getobt wird, muß das Holz dem standhalten. Pilze am Holz machen es morsch und durchbrüchig.
Wo getobt wird, muß das Holz dem standhalten. Pilze am Holz machen es morsch und brüchig.

Ein Holzschutz ist nur dann nötig, wenn die gewählte Holzart gegen Pilzbefall wehrlos (nicht resistent) ist. Die Wahl einer ausreichend gegen Pilzbefall resistenten Holzart ist auf dem Spielplatz wichtig, wenn man auf Schutzmaßnahmen verzichten will. Schutzmaßnahmen sind ein konstruktiver oder chemischer Holzschutz. Es gibt danach drei Möglichkeiten Holz am Spielplatz zu verbauen

Die letze Bauart ist die billigste und die, die uns in der Regel die meisten Schwierigkeiten bereitet.

Die Verarbeitungsregeln und Sicherheitstechnischen Anforderungen sind in der DIN EN 1176/ 1177 und 18034 festgelegt.

Regelungen der DIN EN 1176-1

Auszugsweise die wichtigsten Regelungen der DIN EN 1176-1:

Werkstoffe sollen fachgerecht verarbeitet werden

Mögliche toxische Risiken beim Oberflächenanstrich sollten besonders beachtet werden

Werkstoffe müssen so ausgewählt sein, dass die Standsicherheit der Konstruktion nicht vor der nächsten fälligen Wartungsinspektion beeinträchtigt wird.

Besondere Sorgfalt sollte auf die Auswahl von Werkstoffen verwendet werden, die für Geräte vorgesehen sind, die extremen Klima- oder Witterungsbedingungen ausgesetzt sind.

Bei vorauszusehenden sehr niedrigen oder sehr hohen Temperaturen sollten die Werkstoffe sorgfältig ausgewählt werden, um mögliche Risiken durch direkten Hautkontakt zu vermeiden.

Bauteile aus Bauholz müssen so ausgebildet sein, dass Niederschläge ungehindert ablaufen oder abtropfen können und ein Wasserstau vermieden wird.

Die DIN EN 1176 beinhaltet weiterhin Bestimmungen zu Brandschutz, Materialverarbeitung, Unfallschutz sowie zur

Wartung der Spielgeräte

Wenn konstruktiver Holzschutz langfristig wirken muß, ist Weitsicht nötig!
Wenn konstruktiver Holzschutz langfristig wirken muß, ist Weitsicht nötig!
Vielleicht war ja mal ein Loch in der roten Rohrhülse, die diesen Kletterbaum im Köcher aufnimmt. Jetzt ist der Wasserablauf jedenfalls nicht mehr wirksam. Es besteht eine ständige Staunässe. Der Kletterbaum verfault an seiner "Knick"stelle. Die giftgrüne Algenbildung am Klettertau macht die auch an dieser Stelle wirksame Staunässe augenscheinlich erkennbar. Hier lauert für "Klettermaxe" eine ernste Unfallgefahr.
Foto: Rüpke

Da Spielplatzeinrichtungen nach DIN 68800 Teil 3, den Gefährdungsklassen 3 und 4 zuzuordnen sind, müssen entsprechende Maßnahmen zum Schutz der verbauten Hölzer ergriffen werden.

konstruktive Maßnahmen

Pfostenschuhe verhindern den direkten und dauerhaften Kontakt mit feuchter Erde

keine Hölzer mit waagerecht liegenden Flächen einbauen
horizontale Hölzer so einbauen dass keine Risse nach oben zeigen
rissarme, kerngetrennte Hölzer verwenden
Stirnflächen sollten abgeschrägt (noch besser: abgedeckt) sein
Stöße sind mit etwas Luft auszuführen

kerngetrennte Hölzer neigen weniger zur Rissbildung


Durch Verwendung von Pfosten-abdeckungen kann kein Wasser in das Hirnholz eindringen

Hölzer mit Erdkontakt vermeiden, durch Verwendung von Pfostenschuhen o.ä.
Hölzer mit entsprechenden Dauerhaftigkeitsklassen verwenden
Schraubenverbindungen in das Holz einsenken bzw. vorbohren, sodass keine unnötigen Risse oder Ausbrechungen entstehen
Stauflächen von Wasser durch angeschrägte Flächen vermeiden

Wo es durch konstruktive Maßnahmen vertretbar ist, sollte generell auf chemischen Holzschutz verzichtet werden. Eine Vielzahl der Hersteller gibt unter der Rubrik "Sicherheit" oder "Material" Auskunft über verwendete Holzschutzmittel und andere Materialien, sowie Bauweise der Spielgeräte.


chemische Schutzmaßnahmen
Hölzer der Dauerhaftigkeitsklassen 3 bis 5 durch Imprägnierung mit chemischen Holzschutzmitteln behandeln
es sind ausschließlich sogenannte fixierende wasserbasierte Präparate mit amtlichen Prüfzeichen des DIBt einzusetzen
es sollten möglichst chromfreie Imprägniersalze verwendet werden
als Einbringverfahren ist Kesseldrucktränkung anzuwenden
die behandelten Hölzer sind erst nach der Fixierung auszuliefern
die Oberflächen der Hölzer sind zuvor von löslichen Rückständen der Imprägniermittel zu befreien
die Verwendung von Dickschichtlacken (Bootslack u.ä.) sollte vermieden werden, da diese aufsplittern können -Verletzungsgefahr

Die Verwendung von Carbolineum, arsenhaltigen Holzschutzsalzen, Teerölen und chromhaltigen Holzschutzsalzen als Holzschutzmittel im öffentlichen Bereich sind laut Chemikalienrecht in Deutschland entweder verboten oder nur sehr eingeschränkt (z.B. Eisenbahnschwellen, Freileitungsmasten, etc.) verwendbar. Dies gilt jedoch nicht bei anderen Mitgliedern der Europäischen Gemeinschaft, deren Exporte in Deutschland am Markt zu finden sind.


Die Verwendung von Thermoholz (TMT = Thermally Modified Timber) findet auf Spielplätzen zunehmend Anwendung. Das Thermoholz TMT hat jedoch in der Regel eine verringerte Tragfähigkeit und ein verändertes Bruchverhalten gegenüber unbehandeltem Holz. Es fehlen bis dato statistisch abgesicherte Werte für Berechnungen. Die Verwendung von Thermoholz TMT bei Spielplatzgeräten erfordert einen Verwendbarkeitsnachweis. Der kann z.B. erbracht werden durch

Festigkeitswerte, die z.B. an kleinen, fehlerfreien Proben ermittelt wurden, dürfen jedoch nicht zur Bemessung von tragenden Bauteilen herangezogen werden. (Qu.: IHD-Merkblatt)


Die Folgen schlechter Wartungsmaßnahmen sind nicht zu übersehen.
Foto: Dr.Kürsten

Ein Befall durch Blättlingspilze führt hier zur akuten Unfallgefahr. Dieser Pilz zerstört das Holz vom inneren her.
Foto: Dr.Kürsten

Hier führt eine unbedachte Planung und Ausführung zum Erdkontakt des Holzes. Die Folge: Zerstörung durch Pilzbefall.
Foto: Dr.Kürsten

Gerätekennzeichnung von Spielplatzgeräten

DIN EN 1176-1 verlangt eine deutlich lesbare und dauerhaft am Spielpatzgerät angebrachte Kennzeichnung mit Angabe von Hersteller, Gerätekennzeichen, Herstellungsjahr und Normbezug sowie eine Markierung der Grundlinie (Kontrolle der Fundamenthöhen).

Wartung und Kontrolle der Spielgeräte

Leider zeigte sich in letzter Zeit, dass sich zu sehr auf vorbeugende Holzschutzmaßnahmen verlassen wurde, bzw. die Kontrolle der Spielplätze nur laienhaft vorgenommen wurde, sodass es zu vermeidbaren tödlichen Unfällen kam.

Neben den "vorbeugenden" Maßnahmen sollte vor allem darauf geachtet werden, dass Spielplätze und deren Einrichtungen regelmäßig von sachkundigen Fachleuten auf eventuelle Beschädigungen und noch vorhandene Tauglichkeit untersucht, und vorhandene Schäden sofort behoben werden.

Nach DIN EN 1176-7 sind regelmäßige, unterschiedlich intensive Inspektionen vorgeschrieben.

1. Visuelle Inspektion (Sichtkontrolle)

"Für stark beanspruchte oder duch Vandalismus gefährdete Spielplätze kann sich eine tägliche Inspektion dieser Art erforderlich machen" DIN EN 1176 Abs. 6.2


2. Operative Inspektion (Verschleißkontrolle)

"Diese Inspektion sollte alle 1-3 Monate oder nach Maßgabe der Hersteller- Anweisungen vorgenommen werden."DIN EN 1176 Abs. 6.2


3. Jährliche Hauptinspektion (Sicherheitskontrolle)

"In Abständen von nicht mehr als 12 Monaten vorzunehmende Inspektion"DIN EN 1176 Abs. 6.2

Spezielle Checklisten sind sehr hilfreiche Maßnahmen für eine erfolgreiche Kontrolle. Dennoch sollten Sie daran denken: der Blick eines Fachmanns erkennt mehr und genauer, als es der Laie mit Hilfe einer "Checkliste" je könnte. Mit den folgenden Bildern soll dies anschaulicher belegt werden.

Wir bieten für alle Spielplätze die Inspektionsroutinen nach DIN EN 1176/1177an.

Auf den ersten Blick scheint dieses Spielgerüst in Ordnung, doch eine genauere Untersuchung bestätigt das Gegenteil. Es liegt bereits ein Totalschaden vor. Die Sperrung wird nötig.
Foto: Rüpke
Die Rundstämme dieses unter Zugspannung stehenden Spielgerüstes sind bereits durch den Blättlingspilz im Inneren zerstört. Dies ist von außen nicht erkennbar, lediglich die Fruchtkörper zeigen dies an. Foto: Rüpke

Die andere Seite: Am eingelassenen Spannbolzen ist auch hier ein Fruchtkörper im Loch erkennbar. Die innen bereits abgeschlossene Totalzerstörung ist für den Laien nicht ersichtlich. Hier wurde z.B. der Pilz abgeschnitten, der Balken abgeschliffen und mit Lasur beschichtet.
Foto: Rüpke
Wo ein Schaden ist, ist der andere nicht weit, denn ein Unglück kommt selten allein. Die geriffelten Laufbohlen sind keine Garantie für Dauerhaftigkeit. Im Gegenteil, Wasser und Humus in den Rillen bilden die Bedingungen für Staunässe und den schon an zwei Fruchkörpern belegbaren Pilzbefall.
Foto: Rüpke

Sieht eigentlich schadensfrei aus - dieses Schaukelgerüst. Eine Annahme nach Inaugenscheinnahme getroffen, die gefährlich werden kann. Tatsächlich ist die Schaukel bereits ein Totalschaden. Besonders der Querträger und ein Pfosten sind hier pilzzerstört.
Foto: Rüpke
Ein paar kleine Pilze, sonst sieht das Holz doch noch gut aus. Die Bohrprobe mit einem Holzbohrer bringt das wahre Ausmaß des Schadens zum Vorschein: Nach butterweichem Eindringen klebt am Bohrer klitschnasser Holzmatsch. Eine Stilllegung der Schaukel wird hier zwingend notwendig.
Foto: Rüpke

Ein wichtiger Hinweis auf versteckte Schäden im Inneren des verbauten Holzes sind konsolartig aus Ritzen und Rissen auswachsende Fruchtkörper von Blättlingspilzen. An der Unterseite sind Lamellen erkennbar. Dieser Pilz ist einstets ernst zu nehmendes Indiz für einen (meistens) totalen Schaden an Spielgeräten aus Holz.

Auf dem Spielplatz am Holz der Feind Nr.1: die Blättlinge, Gloeophyllum spp. Das sichere Indiz für einen inneren (meist totalen) Holzschaden. Seine Kennzeichen: typischer konsolartiger, festverwachsener Fruchtkörper mit untenliegenden Lamellen, meist an einem Holzriss. Foto: Rüpke

Blättlingspilze sind der Hitze der Sonne gewachsen, können lange Trockenperioden überdauern und sind überwiegend versteckt im Holzinneren tätig. Diese schwer erkennnbare Innenholzzerstörung macht seine besondere Gefährlichkeit aus. Überraschende, abrupte Materialbrüche sind sein Schadensbild.

Das Schaukelgerüst vom Baumarkt. Schnell ist es aufgebaut, angepinselt und "ruck zuck" fertig. Nach einiger Zeit fällt nun auf, eine Sprosse ist schon gebrochen und ein Brett wurde als Aussteifung nachträglich angebracht. Die Frage drängt sich auf, warum das wohl gemacht wurde.
Foto: Rüpke
Hier das Gerüst im Detail. Nur nach nassem Wetter augenscheinlich erkennnbar werden diese winzigen gelben Fruchtkörper der Zerfließenden Gallertträne, Dacrymyces stillatus. Der Pilz ist wenig bekannt. An dieser Stelle ist er ein sehr gefährlicher Holzzerstörer.
Foto: Rüpke

Hinweise und Normen

Folgende Normungen und Literaturquellen sind für Holzspielplatzgeräte relevant:

Musterbauordnung (2002) § 61 (1) 9c

"Anlagen, die der ...Errichtung von Spielplätzen dienen, ..." sind verfahrensfreie Bauvorhaben.

DIN EN 1176 Teil 1-7,10-11

Spielplatzgeräte, Planung, Anlage und Wartung

DIN 18034

Spielplätze und Freiräume zum Spielen

DIN 68800 Teil 3 )*

Holzschutz, vorbeugender chemischer Holzschutz

DIN 4074 Teil 1 und 2

Sortierung von Nadelholz nach der Tragfähigkeit

DIN EN 350 Teil 2

Dauerhaftigkeit von Holz und Holzprodukten; natürliche Dauerhaftigkeit von Vollholz

DIN EN 335 Teil 2

Dauerhaftigkeit von Holz und Holzprodukten; Definition der Gefährdungsklassen

DIN EN 636

Anforderungen an Sperrholz zur Verwendung im Außenbereich

DIN EN 351

Klassifizierung der Schutzmitteleindringung und -aufnahme im Vollholz

Merkblatt DGfH

Holzschutzmaßnahmen bei Kinderspielplatzeinrichtungen

Merkblatt DHV

Holz für den Garten, Landschafts- und Spielplatzbau

Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz

Verwertung von Altholz

Infodienst Holz;
R. Marutzky

Entsorgung von schutzmittelhaltigen Hölzern und Reststoffen

G. Agde; A. Nagel; J. Richter

Sicherheit auf Kinderspielplätzen, Spielwert und Risiko, sicherheitstechnische Anforderungen

)* Wichtiger Hinweis: In der DIN 68364 Ausgabe 2003 sind die Resistenzklassen nicht mehr aufgeführt. Im Bauwesen hat die DIN 68364 (1979) noch Bestand. In der DIN 68800-3 (1990) wird im Abschnitt 2.2.2 bis 2.2.4 (Vorliegen fehlender Notwendigkeit für chemische Holzschutzmaßnahmen) die Gefährdungsklasse "0" mit den Resistenzklassen der DIN 68364 (1979) definiert. (06.06.2008)


homehome    © 2009-2015 by Sachverständigenbüro für Holzschutz