Katrin Bartel gepr. Sachverständige für Holzschutz, EIPOS;
gepr. Sachkundige für Holzschutz am Bau und "Qualifizierte Spielplatzprüferin" nach DIN SPEC 79161
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Spielplatz - Spielsand

Im Kinderland braucht´s neuen Sand !



Der Spielsand prägt den Spielplatz
Kommt neuer Sand, ist der Frühling da !
Sand reinigt den Magen
Was sind die Einflüsse, die Spielsand für Kinder zur Gefahr werden lassen ?
Nur Kontrollmaßnahmen garantieren sauberen Spielsand
Hinweise und Normen
Literatur




Wenn konstruktiver Holzschutz langfristig wirken muß, ist Weitsicht nötig!Dieser Spielsand wurde lange nicht erneuert.
Foto: Rüpke

Unterhaltungskosten allgemein üblicher Spielplätze in einer Kleinstadt (Beispiel Itzehoe in SWH, 33.000 Einwohner)



102.373,22 m2 Fläche
178.037,32€ Kosten pro Jahr
1,74€ Kosten pro Jahr und m2


Qu.: Betriebsabrechnungsbogen (BAB) für den Baubetriebshof Itzehoe des Jahres 2005

Öffentlich zugängliche Spielplätze unterliegen gesetzlichen und technischen Anforderungen und verursachen daher regelmäßig wiederkehrende Unterhaltskosten, die der Betreiber aufbringen muß. Überwiegend sind es Städte und Gemeinden und die Wohnungswirtschaft. Die Kosten sind i.d.R. aus den Haushalten oder über Umlagen gedeckt. Organisatorisch liegt die Ausführung meist bei den Bauhöfen oder Grünflächenämtern der Kommunen, bei der Wohnungswirtschaft bei den Hausmeistern. Die jährlichen Pflegekostenansätze für "normale" Spielplatzflächen liegen geschätzt bei ca. 2 Euro pro m2.

Bei den Unterhaltskosten spielen die jährlichen Kosten für eine Erneuerung des Spielsandes gegenüber den zeitintensiven Routinearbeiten eigentlich keine so große Rolle.

Der Spielsand prägt den Spielplatz

Da der Spielsand rein subjektiv das Prädikat für einen Spielplatz darstellt, steht er schon für sich im Blickpunkt.

Der Sandkasten ist das Revier der Kleinen. Bei ihnen steht er im Mittelpunkt der Aktivitäten, während die Größeren Bewegungsspiele dem Sandkasten vorziehen.

Aus Sicht der kleinen Kinder ist ein jährlicher neuer Spielsand ein schönes und wesentliches Ereignis, das den nahen Frühling ankündigt.

Aus hygenischer Sicht ist ein Austausch bzw. eine Reinigung nötig, damit vielerlei versteckter Unrat und sich über Herbst und Winter angesammelte organische Stoffe als zukünftige Keimquellen sicher entfernt werden können.

Kommt neuer Sand, ist der Frühling da !

Alter Sand raus und neuer rein, das ist wohl nicht nur aus Sicht der Kinder die richtige Lösung.

Wohlan, gäbe es da nicht auch Stimmen, die dem alten Sand Selbstreinigungskräfte zusprechen und /oder der Geschäftsidee einer mechanischen Reinigung verbunden sind. Sand durchsieben, das mußten die Gemeindearbeiter schon vor 50 Jahren, als deren Arbeitskraft billig und der Fuhrlohn teuer war. Sind aber mechanische Durchsiebungen besser (und kostengünstiger) als neuer Sand? Schaut man sich Untersuchungen dazu an, ist zunächst das Material eher dürftig und der eine zitiert den anderen mit gleichen Worten. Vom Kostenvergleich ist keine Rede. Die Vermarktung technischer Systeme ist der Weg und der bestimmt hier auch das Ziel.

"Spielbereiche sollten in etwa die gleiche Sicherheit und das gleiche Risiko enthalten wie Lebensbereiche, in denen sich die Spielenden üblicherweise bewegen. Es kann nicht darum gehen, für Spielbereiche ein Sicherheits - Ausnahmeklima zu schaffen." (Agde 1996)

Folgen wir dem, erfahren wir spätetens im Kleingedruckten, daß der Erfolg der Siebung von der strikten Anwendung der Maßnahmen aus der Spielplatzkontrolle nach DIN EN 1177 abhängig ist. Z.B. die Stadt Zürich propagiert, wenn alter Sand verbleibt, nach einer mechanischen Reinigung anschließend eine dauernde direkte Belüftung und Besonnung (mind. 5 Std.). Auch werden gut durchlüftete Abdeckungen gefordert. So viele flankierende Maßnahmen, nur um die Selbstreinigungskräfte zu mobilisieren?

Daneben werden thermische Desinfektionsverfahren angeboten. Der Kämmerer ahnt, bei Versagen der Selbstreinigungskräfte kommt nun die Sanierung der Sanierung. Eine weitere Geschäftsidee. Am Ende kommt der Kassensturz.

Die Anwendung der Maßnahmen aus der Spielplatzkontrolle nach DIN EN 1176 und DIN EN 1177 (2008/2009) sind für Betreiber öffentlicher Spielplätze sowieso Pflichtprogramm. Und in 11 Bundesländern gibt es im Frühling frischen Speilsand, fertig, aus.

In 11 von 16 Bundesländern war schon 1997 der jährliche Sandaustausch verbindlich festgelegt oder empfohlen.

Die folgende Tabelle zeigt die gesetzlichen Vorgaben und Emfehlungen der Länder zum Spielsandaustausch. Die Daten verdanken wir dem Landesgesundheitsamt in Niedersachsen, das durch eine Länderumfrage einen Überblick über die Regelungen zum Spielsandaustausch (nun schon in der 2.Auflage) vorgelegt hat.

Regelung des Spielsandaustausches in den deutschen Ländern

deutsche Bundesländer gesetzliche Regelung Empfehlung zur Regelung verbindliche Grundlage im Bundesland
Baden-Wüttemberg nein ja, alle 1-2 Jahre Informationsblatt des LGA Baden-Württemberg
Bayern nein ja, jährlich Empfehlung des zuständigen Minsteriums
Berlin nein ja, mind. alle 2 Jahre Empfehlung auf der Grundlage des "Kinderspielplatzgesetzes"
Brandenburg nein ja, mind. alle 2 Jahre Rahmenhygieneplan des Landes Brandenburg
Hamburg ja, jährlich   Technische Richtlinie auf der Grundlage der Hamburgischen Bauordnung
Mecklenburg-
Vorpommern
nein ja, mind. alle 2 Jahre Empfehlung des LGA Mecklenburg -Vorpommern
Niedersachsen nein ja, jährlich s. Rahmen-Hygieneplan sowie NLGA-Merkblatt
Nordrhein-Westfalen nein ja, jährlich Runderlaß
Rheinland-Pfalz nein nein fehlt
Sachsen nein nein fehlt
Sachsen-Anhalt nein nein fehlt
Schleswig-Holstein nein ja, jährlich lt. Jugendfördergesetz sind Spielplätze in hygienisch einwandfreiem Zustand zu erhalten.
Thüringen nein ja, alle 1-2 Jahre Hygieneempfehlungen für die Gesundheitsämter
Bremen ja, alle 2 Jahre   "Ortsgesetz"
Hessen nein nein fehlt
Saarland keine Regelung bekannt
LGH = Landesgesundheitsamt, NGLA = Niedersächsisches Landesgesundheitsamt
Qu.:www.nlga.niedersachsen.de, Niedersächsisches Landesgesundheitsamt, August 2005

Sand reinigt den Magen

Sand reinigt den Magen, sagt der Volksmund. Die Mengen, die Kinder an Spielsand essen, sind gering. Einmal gegessen, birgt üblicher Spielsand hinsichtlich der Keime kein besonderes Risiko. Und das Risiko, Parasiten aufzunehmen, ist tatsächlich eher gering, ist doch die Menge und die nötige Resistenz eher eng begrenzt. Mikrobiologische Untersuchungen von Spielsand zur Infektionsprävention ergeben stets nur eine Momentaufnahme ("bis nachts die nächste Katze kommt"). Sie zeigen eine Beanstandungsrate von 5-8 %. Gemessen am schlechten Allgemeinzustand unserer Spielplätze sind solche Risiken allgemein als eher gering einzuschätzen.

Fazit: Neuer Sand erübrigt eine (teurere) mechanische Reinigung oder thermische Desinfektion des alten Sandes. Eigentlich ganz klar, wenn da nicht noch ein kleiner ideologischer Grabenkrieg, um die "Selbstreinigungskräfte" im Spielsand verborgen wäre...

So ist es wohl an der Zeit, die o.a. Hygieneanforderungen der Länder besser bekannt zu machen.

Was sind die Einflüsse, die Spielsand für Kinder zur Gefahr werden lassen ?

  die Spielsandhygiene betreffenden Faktoren Gefährdung Risiko Kontrollen zur Bewertung Maßnahmen zur Minderung
Alltägliche Faktoren durch Menschen: Glasscherben, Blechbüchsen, Zigarettenkippen, Lebensmittelreste, blutbehaftete Einmalspritzen
- Verletzung
- Vergiftung
- Infektion

i.d.R. eher ein höheres Risiko
Sichtkontrollen nach DIN EN 1176
Je nach Beanspruchung oder Gefährdung wöchentlich bis täglich, z.B. bei Vandalismus öfters
Ordnungsmaßnahmen und
regelmäßige mechanische Reinigung, u.U. tägliche Reinigungsmaßnahmen und Spielsand u.U. öfters tauschen. Jahreszeitgemäße Grünflächenpflege
Biologische Faktoren Organisches Material von Pflanzen (Blätter, Äste, Früchte)
Bestimmte von Tieren ausgeschiedende Parasiten (z.B. Katzen-und Hundespulwurm) bzw. ihre Dauerformen. Sie sind ausreichend resistent und reichern sich mit der Zeit im Spielsand an.
- Keime
i.d.R. eher ein geringeres Risiko

- Infektion

i.d.R. eher ein geringeres Risiko

Sinnvoll sind stetige Sichtkontrollen auf Tierkot.
Unsinnig, weil zur Beurteilung der Spielsandhygiene kaum geeignet, sind mikrobiologische Untersuchungen. Deren Aussagekraft ist begrenzt. Schon am Tag danach können die Daten wertlos sein.
Kotverschmutzungen sofort entfernen. Besonnung, Belüftung und der Unterbau mit Drainage baut Infektionsgefahr stark ab.
Regelmäßig Spielsand mechanisch reinigen und austauschen. Nicht sinnvoll sind thermische oder chemische Maßnahmen zur Desinfektionen.
Chemische Faktoren In mehrjährig nicht ausgetauschtem Spielsand könnten Schadstoffe wie Verbrennungsabgase oder Schwermetalle aus Verkehr und Industrie auf dem Luftweg (Staub) eingetragen werden. - Vergiftung

Selten, daher Risiko eher gering
Chemische Analyse einer Mischprobe Spielsand reglemäßig austauschen.
  • Mikroorganismen vermögen wohl infektiöse Keime zu neutralisieren. Eine "Spielsand-Selbstreinigung" bräuchte aber "seine Zeit" und gute Bedingungen: Belüftung und Besonnung, z.B. Netze, um Hunde und Katzen fernzuhalten, eine regelmäßige Reinigung, um organische Verunreinigungen und sonstige Abfälle zu entfernen. Nur dann kann man sagen, der alte Sand kann und sollte deshalb auch bleiben. Wenn der Spielplatzbetreiber dies nicht gewährleisten kann, muß der Sand regelmäßig ausgetauscht werden.
  • Geschlossene Abdeckungen z.B. Planen bewirken stets ein günstiges Mikroklima, was die Entwicklung von Keimen und Bakterien fördert.

Spielsand muß bestimmten Anforderungen an die Umweltverträglichkeit und Kornverteilung genügen.

Spielsand kann qualitativ untersucht werden. Der Sand für Kinderspielplätze wird nach dem Bundes-Bodenschutz und Altlastenverordnung 7/99 bzw. Bundesbodenschutzgesetz 3/98 auf Eignung als Spielsand nach DIN 18034 bezüglich der Kornverteilung und Umweltverträglichkeit geprüft und muß für Spielsand den Anforderungen in der DIN 18034 bezüglich der Kornverteilung und den Vorsorgewerten des Bundesbodenschutzverordnung 7/99 Anhang 2 genügen.

Die Kosten einer solchen Untersuchung der Umweltverträglichkeit könnten grob geschätzt bei 400-1000 Euro liegen.

Der sogenannte "Fallschutzkies" wird nach DIN EN 1177 Anhang A und Anhang D auf seine Eignung für stoßdämpfende Spielplatzböden geprüft. In Fallschutzbereichen sind bei Einsatz von Fallschutzkies aus hygienischer Sicht längere Austauschintervalle als bei Spielsand tolerabel. Wegen einer naturgemäßen hohen Schimmelpilz-Belastung wird Rindenmulch als Fallschutzmaterial keine Verwendung mehr finden und sollte durch Fallschutzkies ersetzt werden.

Wir bieten solche Prüfungen für Spielsand und Fallschutzkies an -> Link.

Nur Kontrollmaßnahmen garantieren sauberen Spielsand

Inspektionsroutinen nach DIN EN 1176/77 garantieren mit der Visuellen Inspektion, einer normalerweise wöchentlichen Sichtkontrolle, einen sauberen Spielsand. Stark beanspruchte oder duch Vandalismus gefährdete Spielplätze können eine tägliche Inspektion dieser Art erforderlich machen (DIN EN 1176 Abs. 6.2).

Wir bieten für alle Spielplätze die Inspektionsroutinen nach DIN EN 1176/1177 an.

Hinweise und Normen

Es wurde hier Bezug genommen auf folgende Gesetze und (für öffentliche Spielplatzbetreiber verbindliche) Normen:

alle Normen erschienen im Beuth-Verlag Berlin

Literatur

www.nlga.niedersachsen.de, Merkblatt des Niedersächsischen Landesgesundheitsamtes Spielplatz-und Spielsandhygiene
www.stadt-zuerich.ch, Pflege und Unterhalt von Spielplätzen sind aufwändig und kostenintensiv, Sicherheitsbestimmungen und Kontrollen
Kohnen, Wolfgang et al. Untersuchungen zur mikrobiologisch-hygienischen Qualität von Spielsand. Umweltmed Forsch Prax 2001, 6 (1), 25-30.
Agde, G. u.a., Sicherheit auf Kinderspielplätzen. Spielwert und Risiko. Sicherheitstechnische Anforderungen. Rechts- und Versicherungsfragen. Wiesbaden/ Berlin 1996


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